Kymco Downtown 300i ABS

 

Hier ein paar technische Daten zum Kymco Roller:

 

Hier ein Fahrbericht aus der KRAD Blatt online

von Marcus Lacroix

aus bma 11/11 - Fahrbericht

von Marcus Lacroix

von Marcus Lacroix:

Lacroix

 

Fahrbericht Kymco Downtown 300i

11.2011

 

Rollerfahrern muss man nichts über Kymco erzählen - die Marke ist in diesen Kreisen seit Jahren ein fester Begriff. Motorradfahrer stolpern eher seltener über die Taiwanesen, obwohl diese schon seit 1963 im Geschäft sind und sich weltweit bestens etabliert haben. Über 4000 Mitarbeiter, viele Millionen motorisierter Zweiräder und Quads, Werke in Taiwan, China, Indonesien und Vietnam - das sind echte Hausnummern. Anders als z.B. die Koreaner von Hyosung, die man auch als Motorradhersteller auf dem Zettel hat, bedient Kymco den Motorradmarkt oberhalb von 125 ccm in Deutschland aber nicht und auch weltweit ist bei 250 ccm Schluss. Im Motorradfachhandel findet man Kymco somit meist als „Beimarke” zu „echten” Motorradmarken. Spricht man mit den Kymco-Vertragshändlern, so zeigen sich diese durchweg als sehr zufrieden mit den Produkten. Viele haben ihre Verträge schon seit langen Jahren. Grund genug also, sich mal einen Kymco Roller, neudeutsch auch Scooter genannt, näher anzuschauen.

 

 

Unsere Wahl fiel auf den Kymco Downtown 300i ABS, den es als 2012er Modell jetzt auch mit ABS gibt. 5195 Euro kostet der Scooter und damit nur 300 Euro mehr als der ABS-lose Bruder. Unseren Probefahrtroller stellte uns Zweirad Onken für mehrere Tage zur Verfügung - besten Dank dafür.

 

 

Der Downtown, den es auch als „alte-Klasse-3-Führerschein-taugliche” 125er-Version gibt, besticht zunächst einmal durch sein schnittiges Kleid. Der Kunststoff fühlt sich wertig an - kein Vergleich zu manchen Baumarkt-Plastik-Rollern. Der Fahrer nimmt auf einem gut gepolsterten Möbel Platz, die Lendenwirbelstütze gibt zusätzlichen Halt. Auch ein etwaiger Beifahrer ist bequem untergebracht. Kymco gibt die Sitzhöhe mit moderaten 775 mm an, wobei kurzbeinige Fahrer beim Stopp trotzdem etwas nach vorne rutschen müssen, da die Bank zugunsten des Komfort recht breit baut. Bei 176 cm Körperhöhe erreicht man den Boden aber problemlos flach mit beiden Füßen.

 

 

Das Zündschloss bietet einen Vandalismusschutz, den man auf Knopfdruck aktivieren kann. Zündung an, das gut ausgestattete Cockpit vollführt die heute übliche Lightshow. Der Drehzahlmesser ist bei einem Automatikgetriebe zwar überflüssig, sorgt aber für eine symmetrische Optik. Diverse Kontrollleuchten, zwei Tageskilometerzähler, Uhr, Kühlmitteltemperatur, Tankanzeige und ODO-Zähler (=Gesamtkilometer, ein Hodo- bzw. Odometer ist ein Wegmesser; von griech. hodós, Weg. An dieser Stelle ein Hoch auf Wikipedia) komplettieren das Instrumentarium. Das Cockpit ist nicht entspiegelt, doch stört das im Alltag die Ablesbarkeit nicht. Bremshebel rechts (vorne) oder links (hinten) ziehen, übrigens beide einstellbar, ein Druck auf den Anlasser und elektronisch geregelt nimmt der Einzylinder-Einspritzer seine Arbeit auf. Akustisch ist Zurückhaltung angesagt - nichts anderes haben wir bei einem Roller erwartet.

 

 

Mit dem Motörchen, das über exakt 299 ccm Hubraum verfügt, hat Kymco definitiv eine gute Wahl getroffen. Zwar haben die Taiwanesen mit dem Xciting 500i evo auch einen „echten” Großroller im Sortiment, doch der Downtown dürfte für viele Rollerfahrer die ideale Wahl sein. Die 1000 Euro Aufpreis setzt man besser in Benzin um. In diesem Fall wären das bei 1,52 Euro für den Liter Sprit (es darf auch E10 sein) immerhin 17985 Kilometer! Der Downtown nuckelte im Testbetrieb nämlich nur bescheidene 3,66 Liter auf 100 Kilometern aus dem 12,5 Liter Tank. Weniger dürfte möglich sein, da wir natürlich auch die Autobahn nicht aussparten. Dort rennt der Roller nach Tacho übrigens 140 km/h was zum Mitschwimmen mehr als ausreicht. Die umgekehrte Rechnung könnte man natürlich auch gegenüber dem 125er (4095 Euro) aufmachen, werden Sparfüchse nun einwerfen, doch der Spaßfaktor beim 300er ist den Aufpreis wert. Die Tankanzeige arbeitete, anders als in einem Artikel, auf den man schnell über Google bei Focus-online stößt, bei unserem Downtown übrigens fehlerfrei.

 

 

Spaß ist das Stichwort - und den macht der Downtown vor allem auf der Landstraße und in der Stadt. Wetter und Windschutz sind gelungen, die Handhabung ist rollertypisch einfach. Draufsetzen, losfahren und dank ABS bereitet einem auch das Bremsen keine Kopfschmerzen mehr. Speziell als Motorradfahrer fehlt einem (ok, mir) beim Roller oft das Gefühl für’s Vorderrad. Wenn’s hinten blockiert, ist’s ja kein Problem - aber ein stehendes Vorderrad führt in Kombination mit kleinen Rädern schnell zum Abflug. Diese Sorge zerstreut das wirklich gut funktionierende ABS des Kymco. Der Roller lässt sich jederzeit sicher zusammenbremsen, egal ob die Straße trocken oder nass ist, ob Matsch, Bitumen oder Laub für Reibwertsprünge sorgt. Schade für Kymco, denn für die ABS-lose Version wird es jetzt nur noch wenige Abnehmer geben. Die serienmäßige Kenda-Bereifung gibt keinen Anlass zur Klage. Die hierzulande wenig be­kan­nte Marke Kenda ist übrigens auch schon seit 1962 am Markt.

 

 

Die angesprochenen kleinen Räder sind beim Downtown gar nicht so klein. 14 Zoll sorgen dafür, dass man nicht in jedes Schlagloch plumpst. Das Fahrwerk ist eher straff abgestimmt, was gut zu den Fahrleistungen passt. Auf schlechten Wegstrecken wird das Heck allerdings etwas unkomfortabel und die bauartbedingt hohe ungefederte Masse (Stichwort Triebsatzschwinge) fordert ihren Tribut. Als Laie kann man sich das Problem so klar machen: bewegt mal einen Kaffeebecher voll Sand ruckartig auf und ab. Und nun versucht das Ganze mit einem Eimer voll Sand. Ihr seht, der Eimer ist nicht so leicht zur Richtungsänderung zu bewegen. So ergeht es auch der schweren Triebsatzschwinge im Vergleich zu einer leichten Schwinge, die nur das Hinterrad führt. Die Federbeine, die in der Vorspannung einstellbar sind, schaffen es dann nicht mehr jedes Schlagloch auszubügeln.

 

Klasse ist die Schräglagenfreiheit des Downtown 300. Bei einer Ausfahrt mit motorradfahrenden Freunden braucht man sich nicht zu verstecken. Der Roller, der fahrfertig 188 kg wiegt, lässt sich handlich von einer Kurve in die andere werfen. Die 21,7 kW (knapp 30 PS) sorgen zwar nicht für den Tritt ins Kreuz, machen aber auch auf der Landstraße viel Spaß. In der Stadt ist man damit sowieso immer vorne dabei.

 

 

Die Sitzbank wird über das Zündschloss entriegelt und von einem Gasdruckdämpfer angehoben. Das darunterliegende Staufach nimmt zwei Helme auf, wobei die vordere Mulde nur für einen Jethelm reicht. Wer regelmäßig mit dem Roller zum Einkaufen fährt, wird sicher ein Topcase auf dem Gepäckträger montieren (lassen). Degradiert hat Kymco hoffentlich den Designer der Staufach-Beleuchtung. Die funzelige Leuchte rechts unten wird von jeder Art Gepäck verdeckt. Und wo wir gerade beim Kritisieren sind: so eine Lenkerabdeckung aus Kunststoff sieht ja ganz nett aus; dafür verhindert sie aber, dass man die Bremshebel und Schalter nach persönlichem Geschmack justieren kann. Das Problem ist aber nicht dem Kymco eigen und sollte generell mal überdacht werden.

 

 

Positives Fazit:

viel Licht und kaum ein Schatten. Ich bin fest davon überzeugt, dass so mancher „Biker” oder manche „Bikerin” mit dem Kymco Downtown 300i ABS besser, sicherer, günstiger, vielseitiger, entspannter und mit mehr Fahrfreude unterwegs wäre, als mit einem scheinbar standesgemäßen Motorrad. Auch in der Gruppe mit anderen Motorradfahrern! Um das festzustellen, muss man allerdings erst mal eine Probefahrt machen und vor allem einen Pups darauf geben, was die Kumpels sagen. Rollerfahrern braucht man - wie eingangs erwähnt - ja nichts über Kymco erzählen...